Zum thematischen Schwerpunkt des Kongresses

Teile von Fichtes Spätwerk liegen zwar bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Immanuel Hermann Fichtes Ausgabe der Nachgelassenen Schriften seines Vaters (1845–46) vor. Doch in den letzten Jahren haben die Bände der J. G. Fichte-Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (II,11, II,12, II,13) Neueditionen der bereits bekannten Texte und neue Editionen von bisher unbekannten Texten Fichtes aus diesem Zeitraum geliefert. Hinzu kommen der erste sowie der im Laufe dieses Jahres zu erwartende zweite Band der Studienausgabe J. G. Fichte, Die späten wissenschaftlichen Vorlesungen, hg. v. Hans Georg von Manz u.a. (Stuttgart-Bad Cannstatt 2000ff.) sowie die Separatedition Ultima Inquirenda. J. G. Fichtes letzte Bearbeitungen der Wissenschaftslehre Ende 1813/Anfang 1814, hg. v. Reinhard Lauth (Stuttgart-Bad Cannstatt 2001) mit der „Einleitung in die Wissenschaftslehre“ vom Herbst 1813, dem „Neuen Diarium“ von Oktober 1813 bis Januar 1814 und der „Wissenschaftslehre“ vom Januar 1814.

Das derzeit bzw. im Verlauf dieses Jahres in alten oder neuen Editionen verfügbare Spätwerk Fichtes umfaßt im einzelnen: fünf Darstellungen der Wissenschaftslehre (1810, 1811, 1812, 1813, 1814), Einleitungsvorlesungen (1809, 1812, 1813), Vorlesungen über die Tatsachen des Bewußtseins (1810, 1811, 1813), über Transzendentale Logik (1812), über die Bestimmung des Gelehrten (1811), über Rechtslehre (1812) und Sittenlehre (1812), eine geschichtsphilosophische Arbeit („Staatslehre“; 1813) und ein umfangreiches dreiteiliges philosophisches Tagebuch („Diarium“).

Detaillierte Informationen zu diesen und anderen noch zu publizierenden Texten des späten Fichte enthält die Webseite der Fichte-Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unter www.fichte.badw.de (deutsch- und englischsprachige Versionen). Die Herausgeber der J. G. Fichte-Gesamtausgabe sind auch bereit, bereits transkribierte, aber noch nicht publizierte Texte Fichtes für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Die Kontaktadresse (Dr. Erich Fuchs) lautet: E.Fuchs@lrz.badw-muenchen.de.

Das erst jetzt in seinen ganzen Dimensionen sich abzeichnende Spätwerk Fichtes harrt weitgehend noch der interpretatorischen und kritischen Erschließung, die durch die Themenstellung des Kongresses gezielt angeregt und gefördert werden soll. Ein besonderes Thema des Kongresses soll die Auffassung und Einschätzung des Spätwerks im Verhältnis zu Fichtes Jenaer Periode und zu seiner früheren Berliner Periode bilden. Daneben soll auch Gelegenheit bestehen, andere Aspekte und Themen von Fichtes Werk und Wirkung zu behandeln.